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Grillis Kochtipps

Dosen-Ravioli13.11.12

Rezept für eine Person. Ein elegantes Gericht mit langer Tradition und ungünstiger Reputation.

Sie benötigen:
1 Dose Ravioli
1 Dosenöffner (essentiell)

Die Ravioli sind ein traditionelles Nudel-Fleisch-Gericht der Alten Römer. Auf Wunsch von Kaiser Augustus wurde der kaiserliche Koch damit beauftragt eine Nudel zu kreieren, die einzeln als Gericht ohne Beilagen verkostet werden konnte.
Augustus sperrte den Koch nach erfolgreich bestandenem Testessen lebenslang in einen Kerker, wo dieser, laut Überlieferung, gut 65 Jahre damit beschäftigt war, Ravioli wie am Fließband herzustellen. Hilfe bekam er dabei von Kriegsgefangenen.
Was viele nicht wissen, ist, dass der Fundus der Ravioli, die heute mit Tomatensoße in Dosen verkauft werden, sich bis heute aus den kaiserlichen Vorräten aus Rom speist. In der Nähe von Florenz lagern unterirdisch noch viele Tonnen 2000 Jahre alter Ravioli. Ein Resultat der größenwahnsinnigen Produktionsweise des damaligen Römischen Kaisers.
Dies ist allerdings gut für uns, denn solange diese Vorräte so reichhaltig sind, bleiben Ravioli günstig. Ohnehin ist es unmöglich sie selbst herzustellen, deswegen gibt es sie nur als Fertiggericht. Der Nudelteig ist an sich unspektakulär, die Füllung birgt ihrerseits jedoch einige unlösbare Raffinessen.
Dies betrifft zwar nich unbedingt den Fleischanteil (40% Esel, 30% Feldmaus, 25% Suppenhuhn, 15% Schäferhund), sondern die komplexe Gewürzmischung. Sie enthält ein edles Kraut, das heute ausgestorben ist und das in den ausgegrabenen Rezept-Steintafeln übersetzt als Raviolus-Diestel aufgelistet ist (daher der Name). Aus Gründen aromatischer Ganzheitlichkeit wurden die Tiere vollständig bei lebendigem Leib gehäckselt und mit der Gewürzmischung vermengt.
Einigen Lebensmittelchemikern ist es vor kurzem gelungen, die Ravioli synthetisch herzustellen – sogenannte Analog-Ravioli – die jedoch geschmacklich hinter Ihrem antiken Pendant zurückbleiben.
Meiden Sie Analog-Ravioli!


Zubereitung:
Nehmen Sie Ihren Dosenöffner und verwenden Sie in zweckgemäß – das muss ich Ihnen sicher nicht eingehend erklären, wie man das macht.
Alle weiteren Schritte sind denkbar einfach, genau genommen ist es nur einer: Geben Sie die Ravioli in einen Topf. Diesen stellen sie auf eine Herdplatte Ihrer Wahl (sofern Sie mehrere Herdplatten zur Verfügung haben). Dann den Herd voll aufdrehen, geht schneller.
Bevor sie nun fingernägelkauend darüber sinnieren, wie Sie die ungefähr 10 Minuten Ihrer Lebenszeit, in denen die Ravioli heiß werden, sinnvoll bestreiten können, räumen Sie doch etwas auf.
Nehmen Sie die Dose und – …aua – das hat jetzt weh getan, denn Sie haben die Dose direkt an der rasiermesserscharfen Schnittkannte der Öffnung aufgenommen und sich dolle geschnitten.
Es dauert nicht lange, bis der erste Schwall Blut die Wunde verlässt, sie müssen sich jetzt beeilen. Denn das rote Zeug beginnt auf ihren schönen Küchenfußboden zu tropfen, diese Sauerei gilt es zu unterbinden – zum Beispiel mit einem Pflaster. Haben Sie aber nicht. Was nun?
Drücken Sie Klopapier auf den Schnitt und rennen Sie in den Hausflur. Sicher haben Sie Nachbarn, die über Verbandsmaterialien verfügen.

Ding Dong.

Offenbar sind alle weg. Arbeiten. Benommen rennen Sie aus dem Haus und betreten stolpernd eine nah gelegene Apotheke. Die hübsche Apothekerin hilft Ihnen. Die Pflaster müssen Sie anschreiben lassen, Geld vergessen. Mit letzter Kraft – erschöpft wegen der knapp 2 Liter Blut, die sie auf dem Weg verloren haben – fragen Sie die junge Frau nach Ihrer Telefonnummer.
Wenn Sie es nun noch schaffen sollten, nach Hause zu kommen, öffnen Sie ein Fenster um den dicken Rauch aus Ihrer Wohnung abzulassen. Der Flur sieht aus, als wäre jemand brutal abgeschlachtet worden, und zwar in Ihrer Wohnung. Macht nichts. Sie haben im Tatort Küche wichtigeres zu erledigen.
Die Ravioli jedenfalls sind längst angebrannt, geben Sie sie in den Mülleimer.
Sie sehen nun eine etwa 5 cm dicke schwarze Kruste auf dem Topfboden, das riecht nach Verkohlung und nach Arbeit. Putzen können sie später noch, nehmen Sie sich ein Bier aus dem Kühlschrank und zünden sich eine Zigarette an. Legen Sie sich auf’s Sofa, nehmen Sie das Telefon und bestellen Sie sich zwei Pizzen – für Sie und die Apothekerin.
Deren Nummer wählen Sie jetzt. Es meldet sich eine gelangweilte Frauenstimme und verkündet „kein Anschluss unter dieser Nummer“. Sie versuchen es trotzdem, vielleicht will Sie jemand veräppeln. „Hallo? … Ich bin’s… Äh, mit dem Pflaster grade… Hallo?“ Egal, haben Sie halt mehr für sich – und das können Sie nach dem Blutverlust auch ganz gut gebrauchen.

Guten Appettit.

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